Wer war Rainald von Dassel ?
- Ein Kurzporträt des Namengebers unserer Schule -
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Rainald von Dassel-Portrait auf dem Reliquienschrein im Kölner Dom




Was den Bekanntheitsgrad unseres Namenpatrons angeht, so finden wir keinen Hinweis auf ihn in unseren aktuellen Geschichtsbüchern.

In Anschreiben an unsere Schule wandelt sich Rainald häufig zu Reinold oder Reinhart .

Zugegeben, ein in vielfacher Hinsicht unzulässiger Vergleich. Aber man versuche sich einmal vorzustellen, Otto von Bismarck, Konrad Adenauer oder gar Helmut Kohl hätten ihren Ursprung in Dassel gehabt. Welche Ehrung wären ihn hier wohl zuteil geworden!? Um Rainald von Dassel, den Kanzler des Heiligen Römischem Reiches Deutscher Nationen, ist es vergleichsweise ruhig geblieben. Dabei bestimmte er zu seinen Lebzeiten, durchaus mitgestaltend, die Geschicke eines Machtbereiches von europäischem Zuschnitt.

Sein genaues Geburtsjahr läßt sich nicht feststellen. Vermutlich zwischen1114 und1120 auf der Burg Hunsrück geboren, besuchte er später die Domschule zu Hildesheim und Paris. Erste Stufe auf die Karriereleiter: Rainald wird 1146 Dompropst zu Hildesheim.
Als Bischof Bernhart von Hildesheim 1154 stirbt, ist Rainald von Dassel als dessen Nachfolger vorgesehen. Er lehnt ab, fühlt sich zu Höherem berufen. Zwei Jahre später ist er Kanzler unter dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa und 1159 auch noch Erzbischof von Köln und Erzkanzler von Italien. In letzterer Eigenschaft begleitet er den Kaiser auf dessen zweifelhaften und erfolglosen Italienfeldzügen. Nach der Eroberung von Mailand im Jahre 1164 bringt er die Gebeine der Heiligen drei Könige nach Köln.

Drei Jahre später wird er selbst nach Köln überführt, nach der Prozedur ,,mortis teutonicae" (deutschen Todes) abgekocht und skelettiert! Zuvor hatte er sich noch bei Tusculum zusammen mit dem Grafen Ludolf von Dassel prächtig für Kaiser und Reich geschlagen. Beide waren auch an der Eroberung Roms beteiligt, wo sie dann gleich 2000 anderen Reichsrittern das Sumpffieber ereilte. Der Todestag Rainalds ist mit dem 14. August 1167 in Rom belegt.

Der goldenen Reliqienschrein für die Gebeine der heiligen drei Könige wurde zwischen 1181 und 1191 angefertigt. Aufgebahrt vor dem Hochalters des Kölner Doms, zeigt uns seine Rückseite ein ausgeprägtes Persönlichkeitsporträt Rainalds (siehe Bild oben!). Die Übereinstimmung mit der überlieferten Personenbeschreibung von Zeitgenossen ist verblüffend. Danach war Rainald von angenehmem Ansehen, mittlerer Größe, wohlgeformt und nicht zu beleibt. Die Züge des gebräunten Gesichtes waren schön, das Haar weich und blond.





Profunde Kenntnisse und ein analytischer Verstand, machten ihn zu einem unentbehrlichen Ratgeber Barbarossars, insbesondere in dessen ersten Regierungsjahren. Tiefbewegt äußert dieser nach dem Ableben seines engsten Beraters, daß Rainald stets darauf bedacht gewesen sei, immer die Ehre des Reiches seinem persönlichen Vorteil voranzustellen. Er habe mit glühender Seele alles gefördert, was dem kaiserlichen Ruhme dienstlich gewesen sei.

Aber der eloquente und weltoffene Emporkömmling aus dem Dasseler Grafengeschlecht war nicht nur der getreue Diener seines Herrn. Er hatte durchaus eigene Machtinteressen: als Kurfürst, Landesherr und Erzbischof. So agierte er z.B. äußerst geschickt und skrupellos im Konflikt zwischen Barbarossa und Heinrich dem Löwen und wußte dabei auch seine Interessen in der Stauferexklave Dassel zu wahren.

"go Rainaldus, cancellarius........ recognovi!" (Ich, der Kanzler Rainald........... habe für richtig befunden!), setzte er selbstbewußt neben das Monogramm des Kaisers, der selbst nicht schreiben konnte. Der machtbewußte und fleißige Kanzler hat die Verträge seines Herrn nicht nur überprüft und teilweise selbst schriftlich aufgesetzt, sondern sie auch inhaltlich durchaus mitgestaltet. Ganz der Reichsidee verschworen, nennt er den Herrscher von Frankreich einen "Provinzkönig". Auf dem Reichstag von Besancon im Jahre 1157 provoziert er den Papst mit der These, ,,Der Kaiser sei ein gesalbter des Herrn" die Krone unmittelbar von Gott verliehen. Es bedürfe daher keines zusätzlichen Bewilligungsaktes durch den Papst.

Rainald von Dassel war sicherlich nicht ,,das Idealbild eines geistlichen Ritters", so wie in etwa der Historiker R.M.Herkenrath beschreibt. Sein zielbewusster und direkter Weg in das Zentrum der mittelalterlichen Macht, sein ausgeprägtes Selbst- und Machtbewußtsein, lassen ihn eher als einen Vorläufer der späteren Renaissancefürsten erscheinen. So gesehen gehört Rainald von Dassel zweifellos zu den facettenreichsten politischen Begabungen des deutschen Mittelalters.

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